
Bevor Sie Geld in Schlösser, Beschläge oder neue Fenster stecken, lohnt sich ein neutraler Blick von außen. Die hessische Polizei bietet genau das an: eine kostenlose Beratung zum Einbruchschutz, auf Wunsch direkt bei Ihnen vor Ort. Hier erfahren Sie, wer für den Hochtaunus- und den Main-Taunus-Kreis zuständig ist und wie Sie das Angebot gut nutzen.
Was die polizeiliche Beratung leistet – und was nicht
Die kriminalpolizeilichen Beratungsstellen informieren Privatpersonen und Gewerbetreibende darüber, welche technischen und organisatorischen Maßnahmen gegen Einbruch wirksam sind. Fachberaterinnen und Fachberater kommen auf Wunsch in Ihr Haus oder Ihre Wohnung, sehen sich Türen, Fenster, Keller und Nebeneingänge an und benennen die Schwachstellen. Daraus entsteht eine Empfehlung, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge sinnvoll sind.
Die Beratung ist kostenlos und unverbindlich. Sie ist außerdem herstellerneutral: Die Polizei empfiehlt keine bestimmte Marke und verkauft nichts. Sie nennt Anforderungen, etwa geprüfte Produkte nach den einschlägigen Normen, und kann auf Verzeichnisse geeigneter Fachbetriebe verweisen.
Was die Beratung nicht ersetzt: die Montage selbst, ein konkretes Angebot und eine Gewährleistung für die Ausführung. Die Umsetzung übernehmen Sie selbst, soweit es einfache Maßnahmen betrifft, oder ein Fachbetrieb Ihrer Wahl.
Wer im Taunus zuständig ist
Die hessische Polizei ist in regionale Polizeipräsidien gegliedert. Für den Hochtaunuskreis und den Main-Taunus-Kreis ist das Polizeipräsidium Westhessen mit Sitz in Wiesbaden zuständig. Zu seinem Bereich gehören außerdem der Rheingau-Taunus-Kreis, der Landkreis Limburg-Weilburg und die Landeshauptstadt Wiesbaden. Vor Ort sind die Polizeidirektionen Hochtaunus und Main-Taunus die Ansprechpartner für die Bevölkerung.
Die Einbruchschutzberatung läuft über die Polizeiliche Beratungsstelle des Polizeipräsidiums Westhessen. Die aktuellen Kontaktdaten finden Sie auf den Internetseiten der hessischen Polizei; alternativ hilft Ihnen jede örtliche Polizeistation weiter. Wer außerhalb des Taunus wohnt, findet die zuständige Stelle über die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes.
Im Hochtaunuskreis gibt es zusätzlich eine ehrenamtliche Sicherheitsberatung für Seniorinnen und Senioren. Von der Polizei ausgebildete ältere Menschen informieren dort Gleichaltrige über Themen wie Betrug an der Haustür oder Sicherheit im Internet. Das ersetzt keine technische Beratung, ist aber eine gute Ergänzung.
So läuft ein Beratungstermin ab
Sie vereinbaren telefonisch oder per E-Mail einen Termin. Je nach Auslastung kann es eine Weile dauern, bis ein Termin frei ist; planen Sie die Beratung deshalb rechtzeitig vor einer Renovierung oder einem Fenstertausch ein. Beim Termin geht die Beraterin oder der Berater mit Ihnen um das Gebäude und durch die Räume. Typische Prüfpunkte sind Haus- und Nebeneingangstüren, Kellerzugänge, Fenster und Fenstertüren im Erdgeschoss, Lichtschächte, Garagenzugänge und Stellen, über die man in obere Geschosse gelangen könnte.
Im Gespräch geht es nicht nur um Technik. Auch Verhalten spielt eine Rolle: Wird die Haustür abgeschlossen oder nur zugezogen? Bleiben Fenster gekippt? Gibt es versteckte Schlüssel draußen? Wie ist die Beleuchtung? Die Beratenden geben hier praktische Hinweise, die oft nichts kosten und sofort wirken.
Am Ende erhalten Sie eine Einschätzung, welche Maßnahmen für Ihr Objekt Vorrang haben. Notieren Sie sich die Empfehlungen oder fragen Sie, ob es schriftliche Unterlagen gibt.
Gut vorbereitet in den Termin
Je besser Sie vorbereitet sind, desto mehr nehmen Sie aus der Beratung mit. Ein paar Unterlagen und Fragen helfen dabei.
- Grundriss oder Skizze mit allen Türen und Fenstern im Erdgeschoss und Keller
- Informationen zu Baujahr, Fenstern und Türen, soweit vorhanden
- Bei Mietwohnungen: Absprachen mit dem Vermieter über mögliche Nachrüstungen
- Liste eigener Beobachtungen, etwa klemmende Fenster oder wacklige Beschläge
- Fragen zu Prioritäten, wenn das Budget begrenzt ist
- Hinweise auf bereits vorhandene Sicherungen und deren Rechnungen
Von der Empfehlung zur Umsetzung
Nach der Beratung haben Sie eine Liste möglicher Maßnahmen. Sortieren Sie diese nach Wirkung und Aufwand. Häufig stehen weit oben: ein Profilzylinder mit Bohr- und Ziehschutz zusammen mit einem Schutzbeschlag, ein verstärktes Schließblech, Pilzkopfverriegelungen oder Zusatzschlösser an Fenstern und Fenstertüren sowie die Sicherung von Kellerfenstern und Lichtschächten. Steht ohnehin ein Austausch von Türen oder Fenstern an, rät die Polizei zu Bauteilen, deren Einbruchhemmung nach DIN EN 1627 geprüft ist; im privaten Bereich gilt RC 2 meist als Untergrenze.
Die Polizei weist ausdrücklich darauf hin, dass geprüfte Produkte nur dann wirken, wenn sie fachgerecht eingebaut werden. Holen Sie für größere Maßnahmen mehrere Angebote ein und vergleichen Sie, ob genau die empfohlenen Produkte und Klassen angeboten werden. Die Beratungsstelle kann Ihnen außerdem sagen, wo Sie Verzeichnisse geprüfter Produkte und qualifizierter Errichterbetriebe finden.
Für die Finanzierung kommt der KfW-Kredit Altersgerecht Umbauen in Betracht, der neben dem Abbau von Barrieren auch Einbruchschutz fördert. Die Arbeiten müssen dafür von einem Fachunternehmen ausgeführt werden, und einen Rechtsanspruch auf die Förderung gibt es nicht, sie hängt von bereitstehenden Bundesmitteln ab. Stellen Sie einen Antrag immer vor Beginn der Arbeiten und prüfen Sie die Bedingungen direkt bei der KfW.
Häufige Aha-Momente bei der Begehung
Viele Ratsuchende erwarten, dass es vor allem um die Haustür geht. Bei der Begehung zeigt sich dann oft, dass Nebeneingänge, die Kellertür zur Garage oder die Terrassentür auf der Gartenseite deutlich schwächer gesichert sind. Einbrecher wählen den Weg mit dem geringsten Widerstand und dem geringsten Risiko, gesehen zu werden – und das ist selten der gut beleuchtete Haupteingang zur Straße.
Ein zweiter häufiger Punkt ist die Montage. Ein teurer Zylinder, der weit aus dem Beschlag herausragt, oder ein Zusatzschloss, das nur mit kurzen Schrauben in der Zarge sitzt, bringt weniger als erwartet. Die Beratenden achten deshalb nicht nur darauf, was verbaut ist, sondern auch darauf, wie. Und schließlich fällt oft auf, wie viel bereits einfache Gewohnheiten bewirken: konsequent abschließen statt zuziehen, Fenster beim Verlassen schließen statt kippen, keine Leitern oder Gartenmöbel als Aufstiegshilfe draußen stehen lassen.
Warum sich der Termin auch nach einem Einbruch lohnt
Viele Menschen melden sich erst bei der Beratungsstelle, nachdem bei ihnen oder in der Nachbarschaft eingebrochen wurde. Gerade dann ist die neutrale Einschätzung wertvoll, weil der Impuls groß ist, schnell viel Geld auszugeben. Die Beratung hilft, gezielt die Schwachstelle zu schließen, über die tatsächlich eingestiegen wurde, und weitere Lücken nicht zu übersehen.
Auch Hausgemeinschaften oder Eigentümergemeinschaften können von einer Beratung profitieren, etwa wenn es um Haustür, Kellerzugang, Tiefgarage oder die Schließanlage geht. Hier lohnt es sich, den Termin gemeinsam mit der Verwaltung zu planen.
Wenn Sie nach der Beratung einen Zylinder wechseln, einen Schutzbeschlag montieren oder ein Zusatzschloss anbringen lassen möchten, erreichen Sie den Taunus Schlüsseldienst täglich zwischen 06:30 und 23:45 Uhr. Den Preis nennen wir vorab am Telefon.
Häufige Fragen
Kostet die Einbruchschutzberatung der Polizei etwas?
Nein. Die Beratung durch die kriminalpolizeilichen Beratungsstellen ist in Hessen kostenlos und unverbindlich. Sie ist zudem herstellerneutral, es werden also keine Produkte verkauft oder bestimmte Marken empfohlen.
Kommt die Polizei auch zu Mietwohnungen?
Ja, die Beratung richtet sich an Eigentümer ebenso wie an Mieterinnen und Mieter. Bei Mietwohnungen ist es sinnvoll, mögliche Nachrüstungen anschließend mit dem Vermieter abzustimmen, da bauliche Veränderungen in der Regel seiner Zustimmung bedürfen.
Kann ich mich auch ohne Termin beraten lassen?
In der Regel wird ein Termin vereinbart, vor allem für eine Beratung vor Ort. Gelegentlich gibt es Informationsstände oder Vortragsveranstaltungen. Ob und wann solche Angebote stattfinden, erfahren Sie bei der Beratungsstelle oder Ihrer örtlichen Polizeistation.