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Schließtechnik

Schließzylinder richtig ausmessen: Maße A und B ohne Fehlkauf

Schließzylinder richtig ausmessen: Maße A und B ohne Fehlkauf

Wer einen neuen Schließzylinder kauft, steht schnell vor Angaben wie 30/35 oder 40/45. Diese Zahlen beschreiben die Länge der beiden Zylinderhälften, und schon wenige Millimeter Abweichung entscheiden darüber, ob der Zylinder passt, sicher sitzt oder zurückgeschickt werden muss. Mit einem Zollstock oder Messschieber und etwas Sorgfalt messen Sie selbst.

Die Grundlage: Was die Maße A und B bedeuten

Ein Profilzylinder besteht aus zwei Hälften, die in der Mitte durch einen Steg verbunden sind. In diesem Steg sitzt das Gewinde für die Stulpschraube, also die lange Schraube, die den Zylinder von der Schmalseite der Tür aus im Schloss hält. Alle Längenangaben beziehen sich auf genau diesen Punkt: die Mitte des Schraubenlochs.

Das Maß A bezeichnet üblicherweise die Länge von der Mitte der Befestigungsschraube bis zum äußeren Ende des Zylinders, also zur Außenseite der Tür. Das Maß B beschreibt dasselbe nach innen. Ein Zylinder mit der Angabe 30/35 ist demnach außen 30 und innen 35 Millimeter lang, insgesamt also 65 Millimeter. Manche Händler geben die Seiten in umgekehrter Reihenfolge an oder bezeichnen sie anders. Prüfen Sie deshalb in der Produktbeschreibung, welche Zahl für welche Seite steht.

Die Längen sind in der Regel in festen Schritten erhältlich, häufig in Fünf-Millimeter-Schritten. Nicht jede Kombination ist bei jedem Hersteller lieferbar. Wenn Ihr Messwert zwischen zwei Stufen liegt, lesen Sie weiter unten, wie Sie sich entscheiden.

Werkzeug und Vorbereitung

Für eine genaue Messung reicht ein Zollstock, besser ist ein Messschieber, weil er auf den Millimeter genau ablesbar ist. Außerdem brauchen Sie einen passenden Schraubendreher für die Stulpschraube, meist einen Kreuzschlitz, und den passenden Schlüssel. Öffnen Sie die Tür und sichern Sie sie gegen Zufallen, etwa mit einem Keil. Arbeiten Sie nie bei geschlossener Tür am Zylinder, denn ohne Zylinder lässt sich das Schloss von außen nicht mehr betätigen.

Notieren Sie sich vorab auch, welche Art Zylinder verbaut ist: ein Doppelzylinder mit Schlüssel auf beiden Seiten, ein Knaufzylinder mit Drehknauf innen oder ein Halbzylinder mit nur einer Schlüsselseite. Machen Sie zudem ein Foto von Beschlag und Stulp. Das hilft später beim Vergleich mit Produktbildern und bei Rückfragen im Fachhandel.

Variante 1: Messen am ausgebauten Zylinder

Am genauesten messen Sie, wenn der alte Zylinder ausgebaut vor Ihnen liegt. So gehen Sie vor:

  • Stulpschraube an der Schmalseite der Tür lösen. Sie sitzt in der Regel unterhalb von Falle und Riegel auf Höhe des Zylinders.
  • Schlüssel einstecken und leicht drehen, bis die Schließnase nicht mehr aus dem Zylinderkörper herausragt. Meist genügt eine kleine Drehung aus der Abzugsstellung.
  • Zylinder am Schlüssel vorsichtig herausziehen. Hakt er, die Drehstellung minimal verändern, nicht mit Gewalt ziehen.
  • Am ausgebauten Zylinder von der Mitte des Schraubenlochs bis zum äußeren Ende messen, dann zum inneren Ende.
  • Die Maße sofort notieren und markieren, welche Seite außen war.

Variante 2: Messen am eingebauten Zylinder

Manchmal soll der alte Zylinder gar nicht erst ausgebaut werden, etwa weil er klemmt oder weil der Schlüssel fehlt. Dann messen Sie an der Tür. Bestimmen Sie dazu an der Schmalseite die Mitte der Stulpschraube. Messen Sie von dort waagerecht zur Außenfläche des Türbeschlags auf der Außenseite. Das ist der Wert, den der neue Zylinder außen mindestens erreichen muss. Dasselbe wiederholen Sie für die Innenseite.

Achten Sie darauf, wirklich bis zur Oberfläche des Beschlags zu messen und nicht nur bis zum Türblatt. Rosetten und Langschilder tragen einige Millimeter auf. Bei dieser Methode bestimmen Sie zunächst die benötigten Mindestlängen und wählen dann den passenden Zylinder aus. Die Abweichung zwischen den Methoden liegt meist im Bereich von ein bis zwei Millimetern, für die Auswahl genügt das in der Regel.

Warum der Überstand für die Sicherheit zählt

Beim Schließzylinder gilt nicht, dass etwas mehr Länge nicht schadet. Ragt der Zylinder außen deutlich über den Beschlag hinaus, bietet er eine Angriffsfläche. Mit einer Zange oder einem Ziehwerkzeug lässt sich ein überstehender Zylinder leichter greifen und abbrechen. Polizeiliche Beratungsstellen behandeln Zylinder, Schutzbeschlag, Schloss und Türblatt deshalb als zusammenhängendes System.

Ziel ist ein Zylinder, der außen möglichst bündig mit dem Beschlag abschließt oder nur minimal übersteht. Bei einem Schutzbeschlag mit Zylinderabdeckung muss der Zylinder sogar exakt in die Abdeckung passen, sonst lässt sich der Beschlag nicht korrekt montieren oder der Schutz geht verloren. Auf der Innenseite ist ein etwas größerer Überstand unproblematisch und manchmal sogar praktisch, damit der Schlüssel nicht am Beschlag anstößt.

Liegt Ihr Messwert zwischen zwei Längenstufen, wählen Sie außen die nächstkürzere Variante nur dann, wenn der Zylinder damit nicht zu tief im Beschlag verschwindet und der Schlüssel noch vollständig einsteckbar ist. Im Zweifel ist die Innenseite die richtige Stelle, um einen Millimeterüberschuss unterzubringen.

Typische Fehler und Sonderfälle

Die häufigsten Fehler entstehen nicht beim Ablesen, sondern bei der Interpretation. Diese Punkte sollten Sie im Blick behalten:

  • Gesamtlänge statt Einzelmaße bestellt: Ein Zylinder mit 70 Millimetern Gesamtlänge kann 35/35, 30/40 oder 40/30 sein, und nur eine davon passt.
  • Außen und innen vertauscht: Bei asymmetrischen Zylindern sitzt der Schlüssel dann auf der falschen Seite zu tief oder steht zu weit über.
  • Von der Mitte des Zylinders statt von der Mitte der Schraube gemessen: Der Steg sitzt nicht immer in der geometrischen Mitte.
  • Dornmaß mit Zylinderlänge verwechselt: Das Dornmaß beschreibt den Abstand im Einsteckschloss, nicht die Länge des Zylinders.
  • Knaufzylinder falsch gemessen: Gemessen wird bis zum Ende des Zylinderkörpers auf der Knaufseite, nicht bis zur Außenkante des Knaufs.
  • Zylinder einer Schließanlage selbst bestellt: Er muss zur Anlage passen und wird über Verwaltung oder Anlagenbetreiber geordert.

Wenn Sie lieber messen lassen

Wer unsicher ist, kann das Ausmessen einem Fachbetrieb überlassen. Gerade bei Türen mit Schutzbeschlag, bei Haustüren mit Mehrfachverriegelung oder bei der Umstellung auf einen Zylinder mit Not- und Gefahrenfunktion lohnt sich ein prüfender Blick, damit Zylinder, Beschlag und Schloss zusammenpassen. Der Taunus Schlüsseldienst ist täglich von 06:30 bis 23:45 Uhr erreichbar und bringt gängige Längen zum Termin mit, sodass der Tausch meist in einem Gang erledigt ist.

Häufige Fragen

Von wo aus messe ich die Länge eines Schließzylinders?

Immer von der Mitte des Lochs für die Befestigungsschraube aus, einmal bis zum äußeren und einmal bis zum inneren Ende. Daraus ergeben sich die beiden Maße, die bei Zylindern meist mit Schrägstrich angegeben werden, zum Beispiel 30/35. Prüfen Sie beim Händler, welche Zahl für außen steht.

Darf der Zylinder außen überstehen?

Möglichst nicht. Ein deutlicher Überstand erleichtert es, den Zylinder zu greifen und abzubrechen. Ziel ist ein bündiger Abschluss mit dem Beschlag oder ein nur minimaler Überstand. Bei einem Schutzbeschlag mit Zylinderabdeckung muss die Länge genau zur Abdeckung passen.

Kann ich den Zylinder ohne Schlüssel ausbauen?

In der Regel nicht. Die Schließnase muss so gedreht werden, dass sie im Zylinderkörper verschwindet, und dafür braucht man den Schlüssel. Ohne Schlüssel messen Sie besser am eingebauten Zylinder von der Stulpschraube bis zur Beschlagoberfläche oder lassen einen Fachbetrieb messen.

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