
Ein kurzes Knacken, und in der Hand bleibt nur noch die Reide, also der Griff des Schlüssels. Der Rest steckt im Zylinder. Ob Sie das Bruchstück selbst herausbekommen oder besser die Finger davon lassen, hängt davon ab, wie es im Schloss sitzt. Dieser Ratgeber zeigt die Möglichkeiten und Grenzen.
Warum Schlüssel überhaupt abbrechen
Ein Schlüssel bricht selten ohne Vorgeschichte. Häufig ist er über Jahre dünner geworden oder hat einen feinen Riss an der Stelle, an der der Schaft in die Reide übergeht. Wer den Schlüssel als Hebel benutzt, etwa um eine klemmende Tür heranzuziehen, belastet genau diese Stelle. Ein weiterer Klassiker sind nachgemachte Schlüssel aus weichem Material oder mit ungenauer Fräsung, die im Zylinder hakeln und deshalb mit Kraft gedreht werden.
Auch der Zylinder selbst kann die Ursache sein. Verschmutzte oder verharzte Stifte, ein verzogenes Türblatt oder ein Schließblech, das nicht mehr sauber mit dem Riegel fluchtet, sorgen dafür, dass sich der Schlüssel nur schwer drehen lässt. Wer dann mit Nachdruck dreht, riskiert den Bruch. Das ist wichtig für später, denn ohne Behebung der Ursache wiederholt sich das Problem.
Die ersten Handgriffe: Ruhe bewahren, nicht weiterdrehen
Sobald der Schlüssel gebrochen ist, sollten Sie nichts mehr in den Zylinder stecken, auch nicht den Zweitschlüssel. Er würde das Bruchstück nur tiefer hineinschieben und kann sich selbst darin verkeilen. Merken Sie sich außerdem, in welcher Stellung das Bruchstück steht: Steht der Schlüsselkanal senkrecht, also in der Position, in der man Schlüssel normalerweise einführt und abzieht, sind die Chancen für eine Entnahme gut. Ist der Schlüssel dagegen beim Drehen abgebrochen und steht schräg oder waagerecht, ist das Bruchstück im Zylinderkern gefangen und lässt sich so nicht herausziehen.
Überlegen Sie zudem, ob die Tür offen, zugefallen oder abgeschlossen ist. Steht die Tür offen und Sie wollten nur von innen abschließen, haben Sie keinen Notfall, sondern ein Reparaturthema. Sind Sie ausgesperrt, gilt es, die Öffnung und das Entfernen des Bruchstücks zu kombinieren.
Was Sie selbst versuchen können
Ragt ein Stück des Schlüssels sichtbar aus dem Zylinder heraus und steht der Kanal senkrecht, können Sie vorsichtig mit einer spitzen Zange oder einer kräftigen Pinzette zugreifen. Ziehen Sie gerade heraus, ohne zu drehen oder zu kippen. Ein Tropfen Graphitpulver oder ein spezielles Schließzylinderspray kann die Reibung etwas verringern.
Steckt das Bruchstück bündig im Zylinder, wird es schwieriger. Manche greifen dann zu einem schmalen Sägeblatt einer Laubsäge, schieben es seitlich an den Zähnen des Schlüssels vorbei und versuchen, das Stück mit den Sägezähnen herauszuziehen. Das kann funktionieren, setzt aber Fingerspitzengefühl voraus. Das Blatt kann abbrechen und die Lage verschlimmern. Wenn es nach zwei oder drei vorsichtigen Versuchen nicht klappt, hören Sie besser auf.
Was Sie auf keinen Fall tun sollten
In Foren und Videos tauchen immer wieder Hausmittel auf, die mehr schaden als nutzen. Die folgenden Methoden machen aus einem gut lösbaren Problem schnell einen Fall für einen neuen Zylinder:
- Sekundenkleber an ein Streichholz oder Drahtstück geben und an das Bruchstück drücken: Der Kleber läuft in den Kanal und verklebt die Stifte dauerhaft.
- Mit Schraubenzieher oder Nagel im Kanal hebeln: Das verkeilt das Bruchstück und kann den Kern beschädigen.
- Öl, Speiseöl oder Kriechöl in großen Mengen einsprühen: Es bindet Staub und verharzt später, außerdem wird das Greifen mit Werkzeug schwieriger.
- Den Zweitschlüssel mit Gewalt einführen: Er schiebt das Bruchstück tiefer hinein und kann selbst abbrechen.
- Am Zylinder bohren, ohne zu wissen, was man tut: Ein falsch angesetzter Bohrer beschädigt im ungünstigen Fall das Einsteckschloss.
Sonderfall: Bruch auf der Innenseite der Tür
Nicht immer passiert das Missgeschick draußen. Bricht der Schlüssel innen ab, während Sie abschließen wollen, sind Sie zwar nicht ausgesperrt, aber die Wohnung lässt sich womöglich nicht mehr verschließen. Zudem kann das Bruchstück auf der Innenseite den Zylinder für die Außenseite blockieren, ähnlich wie ein steckender Schlüssel. Wer dann mit dem Zweitschlüssel von außen schließen will, bemerkt, dass er sich nicht drehen lässt.
In dieser Lage sollten Sie die Wohnung nicht unverschlossen für längere Zeit verlassen. Wenn möglich, bleibt jemand zu Hause, bis das Bruchstück entfernt oder der Zylinder ersetzt ist. Für eine Übergangsnacht kann ein vorhandenes Zusatzschloss oder ein Querriegel helfen.
So geht ein Fachbetrieb vor
Ein Schlüsseldienst hat für diesen Fall spezielle Schlüsselauszieher. Das sind sehr dünne, gehärtete Haken oder Spiralen, die sich an den Einschnitten des Schlüssels einhaken. Steht der Kanal senkrecht, lässt sich das Bruchstück damit in den meisten Fällen herausziehen, ohne den Zylinder zu beschädigen. Steht der Kern verdreht, versucht der Monteur, ihn mit Spannwerkzeug wieder in die Ausgangsstellung zu bringen, und entnimmt das Bruchstück anschließend.
Ist die Tür zusätzlich abgeschlossen und der Kern lässt sich nicht zurückdrehen, kann es nötig werden, den Zylinder zu ziehen oder aufzubohren und zu ersetzen. Ein seriöser Monteur bespricht das mit Ihnen, bevor er zu diesem Schritt greift, und nennt den Preis für den Ersatz.
Nach erfolgreicher Entnahme lohnt ein kurzer Funktionstest mit dem Zweitschlüssel. Lässt er sich leicht drehen, kann der Zylinder in der Regel weiter genutzt werden. Hakt es, ist das ein Hinweis auf Verschleiß oder ein Problem an der Tür selbst.
Ersatzschlüssel und Vorbeugung
Ein abgebrochener Schlüssel muss ersetzt werden, und der Zweitschlüssel sollte nicht dauerhaft Ihr einziger bleiben. Bei einfachen Zylindern kann ein Schlüsselfachgeschäft nach dem Muster des Zweitschlüssels nachfertigen. Bei Sicherheitszylindern mit geschütztem Profil ist dafür meist die Sicherungskarte nötig, die beim Kauf mitgeliefert wurde. Bewahren Sie sie getrennt von den Schlüsseln auf.
Damit es nicht wieder passiert, achten Sie auf diese Punkte: Pflegen Sie den Zylinder gelegentlich mit Graphit oder einem dafür vorgesehenen Pflegespray. Lassen Sie eine klemmende Tür einstellen, statt den Schlüssel als Hebel zu benutzen. Ersetzen Sie Schlüssel, die sichtbar abgenutzt oder verbogen sind, rechtzeitig, und verwenden Sie für häufig genutzte Türen nach Möglichkeit Originalschlüssel. Ein Zylinder, der trotz Pflege schwergängig bleibt, sollte ausgetauscht werden.
Wenn Sie ausgesperrt sind oder das Bruchstück nicht herausbekommen, hilft der Taunus Schlüsseldienst täglich von 06:30 bis 23:45 Uhr.
Häufige Fragen
Kann ich den Zylinder nach dem Entfernen des Bruchstücks weiter benutzen?
Wenn das Bruchstück ohne Gewalt entnommen wurde und sich der Zweitschlüssel danach leicht drehen lässt, ja. Bleibt der Zylinder schwergängig oder wurde er beim Entnehmen beschädigt, ist ein Austausch sinnvoll, damit beim nächsten Mal nicht wieder ein Schlüssel abbricht.
Hilft Sekundenkleber, um das Bruchstück herauszuziehen?
Davon ist dringend abzuraten. Der Kleber fließt in den Schlüsselkanal und verbindet Stifte und Kern miteinander. Danach ist der Zylinder in aller Regel nicht mehr zu retten. Was als schnelle Lösung gedacht war, endet meist mit einem neuen Zylinder.
Wer zahlt, wenn der Schlüssel in der Mietwohnung abbricht?
Das hängt von der Ursache und vom Mietvertrag ab. War der Zylinder verschlissen, kann der Vermieter zuständig sein, bei unsachgemäßem Umgang eher der Mieter. Oft regelt eine Kleinreparaturklausel einen Teil. Klären Sie das möglichst vorab mit dem Vermieter. Mehr dazu im Ratgeber zu Mieter und Vermieter.