
Wer ausgesperrt ist, will schnell wieder hinein und ist entsprechend wenig wählerisch. Genau darauf setzen Anbieter, die mit niedrigen Lockpreisen werben und vor Ort ein Vielfaches verlangen. Die Verbraucherzentralen warnen seit Jahren vor diesem Muster. Mit ein paar Prüfschritten lassen sich die meisten schwarzen Schafe erkennen, bevor sie vor Ihrer Tür stehen.
Das typische Muster hinter der Abzocke
Die Masche ist seit Jahren dieselbe und wird von Verbraucherschützern immer wieder beschrieben: Im Internet erscheint ein Anbieter mit auffällig niedrigem Einstiegspreis und einer Telefonnummer, die nach lokalem Betrieb aussieht. Am Telefon meldet sich eine Zentrale, die keinen Firmennamen nennt und keine konkreten Preise zusagt. Der Monteur, der dann erscheint, kommt oft von weit her, arbeitet auf eigene Rechnung und verlangt nach getaner Arbeit eine Summe, die mit dem beworbenen Preis nichts mehr zu tun hat. Häufig wird zusätzlich Druck aufgebaut, sofort und in bar zu bezahlen.
Das Problem ist weniger der einzelne Monteur als das Geschäftsmodell dahinter. Weil der Kunde in einer Zwangslage steckt, hält er die Forderung für unausweichlich. Genau diese Annahme ist falsch.
Warnzeichen schon bei der Suche
Viele Probleme lassen sich vermeiden, bevor Sie überhaupt anrufen. Nehmen Sie sich die kurze Zeit, die Website des Anbieters anzusehen. Noch besser ist es, sich in einer ruhigen Stunde einen verlässlichen Betrieb herauszusuchen und die Nummer im Handy oder bei einer Vertrauensperson zu speichern. Wer im Ernstfall nicht erst suchen muss, landet nicht beim erstbesten Anzeigentreffer. Folgende Punkte sollten Sie bei der Auswahl stutzig machen:
- Kein oder ein unvollständiges Impressum, keine erkennbare Firma mit Rechtsform und Verantwortlichen
- Lockangebote mit auffallend niedrigen Beträgen, die mit Sternchen relativiert werden
- Dutzende nahezu gleiche Websites für verschiedene Städte, die alle zur selben Nummer führen
- Werbung mit Formulierungen, die eine Ortsansässigkeit vortäuschen, ohne dass irgendwo eine Adresse oder ein Partnerbetrieb benannt wird
- Kostenpflichtige Sondernummern statt einer normalen Festnetz- oder Mobilnummer
Warnzeichen am Telefon
Das Telefonat ist der wichtigste Moment, denn hier werden die Bedingungen festgelegt. Ein seriöser Betrieb nennt seinen Namen, fragt nach Türart und Situation und sagt Ihnen klar, was die Öffnung kosten wird, einschließlich Anfahrt und etwaiger Zuschläge. Die Verbraucherzentralen empfehlen, den Gesamtpreis bereits am Telefon zu vereinbaren und zu fragen, woher der Monteur anfährt.
Vorsicht ist geboten, wenn der Gesprächspartner ausweicht. Sätze wie „Das sieht der Kollege vor Ort“ oder „Das kommt auf den Aufwand an“, ohne jede Größenordnung, sind ein Warnsignal. Ebenso, wenn Sie den Firmennamen nicht erfahren oder der Anrufer drängt, sich sofort zu entscheiden. Legen Sie in so einem Fall auf und versuchen Sie es bei einem anderen Anbieter. Ein paar Minuten Verzögerung sind besser als eine Rechnung, über die Sie sich noch Wochen ärgern.
Warnzeichen an der Tür
Auch wenn das Telefonat unauffällig war, sollten Sie vor Ort aufmerksam bleiben. Bitten Sie den Monteur, den vereinbarten Preis zu bestätigen, bevor er anfängt. Weigert er sich oder nennt er plötzlich einen anderen Betrag, dürfen Sie den Auftrag ablehnen. Bis dahin ist noch keine Leistung erbracht.
- Der Monteur greift sofort zu Bohrmaschine oder Ziehwerkzeug, obwohl die Tür nur zugefallen ist
- Er kann keinen Firmennamen, keine Visitenkarte und keinen Auftragsbeleg vorweisen
- Er legt Ihnen vor Arbeitsbeginn ein Formular zur Unterschrift vor, dessen Inhalt Sie nicht in Ruhe lesen können
- Er verlangt eine Unterschrift unter die Erklärung, es habe keine Notlage bestanden
- Er will ausschließlich bar oder per Sofortüberweisung kassieren und bietet an, Sie zum Geldautomaten zu begleiten
- Er droht, die Tür wieder zu verschließen oder Werkzeug als Pfand zurückzuhalten
Ihre Rechte, wenn die Rechnung nicht stimmt
Der Bundesgerichtshof hat im Januar 2020 in einem Strafverfahren gegen Betreiber eines Schlüsselnotdienstes entschieden, dass das Ausnutzen einer Notlage für stark überhöhte Rechnungen als Wucher strafbar sein kann, unter Umständen zusammen mit Betrug (Aktenzeichen 1 StR 113/19). Die Verbraucherzentrale Hamburg sah darin ein wichtiges Signal, weil es Betroffenen erleichtert, gegen solche Firmen vorzugehen. Das bedeutet nicht, dass jede hohe Rechnung strafbar ist, aber es zeigt, dass eine Notlage keinen Freibrief für beliebige Forderungen darstellt.
Praktisch heißt das: Bezahlen Sie nur den Betrag, der vereinbart war, und nur gegen eine Rechnung, die Arbeitszeit, Anfahrt und Material einzeln ausweist. Wird ein deutlich höherer Betrag verlangt, können Sie den vereinbarten Preis zahlen und den Rest ausdrücklich verweigern. Wer sich unter Druck gesetzt fühlt und doch mehr zahlt, sollte auf der Rechnung und gegenüber dem Monteur festhalten, dass die Zahlung unter Vorbehalt erfolgt. Ob und wie Sie zu viel Gezahltes zurückfordern können, hängt vom Einzelfall ab. Hier helfen die Verbraucherzentralen oder ein Rechtsanwalt weiter.
Wann Sie die Polizei rufen sollten
Wird der Ton bedrohlich, etwa wenn der Monteur Sie nicht gehen lässt, Ihnen den Weg in die Wohnung versperrt oder Gewalt androht, wählen Sie die 110. Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass Nötigung eine Straftat ist und dass Sie einen Monteur, der sich weigert zu gehen, aus Ihrer Wohnung verweisen dürfen. Die Polizei kann vor Ort die Personalien aufnehmen, was für spätere Schritte wichtig ist.
Auch im Nachhinein lohnt sich eine Anzeige, wenn Sie den Verdacht haben, Opfer einer Abzocke geworden zu sein. Schreiben Sie möglichst bald auf, was passiert ist: Uhrzeit, Telefonnummer, Name des Monteurs, Kennzeichen des Fahrzeugs, vereinbarter und verlangter Betrag. Melden Sie den Fall zusätzlich bei der Verbraucherzentrale Hessen, denn gesammelte Beschwerden helfen, Muster zu erkennen.
Woran Sie einen seriösen Betrieb erkennen
Seriosität zeigt sich weniger in Werbeversprechen als im Ablauf. Ein vertrauenswürdiger Schlüsseldienst nennt seinen Namen und den Preis vorab, bestätigt ihn vor Arbeitsbeginn, versucht zuerst eine zerstörungsfreie Öffnung, erklärt jeden zusätzlichen Schritt, prüft nach dem Öffnen Ihre Wohnberechtigung und stellt eine aufgeschlüsselte Rechnung aus. Kartenzahlung oder Überweisung sind möglich, ohne dass jemand auf Bargeld drängt.
Auch der Taunus Schlüsseldienst arbeitet nach diesem Prinzip und ist täglich von 06:30 bis 23:45 Uhr erreichbar. Unabhängig davon, wen Sie anrufen: Diese Prüfpunkte gelten für jeden Anbieter.
Häufige Fragen
Muss ich eine überhöhte Rechnung sofort bezahlen?
Sie sind in der Regel nur verpflichtet, den vereinbarten Preis zu zahlen. Bei einer deutlich höheren Forderung können Sie die Differenz verweigern oder ausdrücklich unter Vorbehalt zahlen und das schriftlich festhalten. Für eine Einschätzung im Einzelfall wenden Sie sich an die Verbraucherzentrale oder einen Rechtsanwalt. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung.
Was mache ich, wenn der Monteur mich unter Druck setzt?
Bleiben Sie ruhig, unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht verstanden haben, und begleiten Sie ihn nicht zum Geldautomaten. Wird er bedrohlich oder hindert er Sie am Betreten Ihrer Wohnung, rufen Sie die Polizei unter 110. Notieren Sie Namen, Fahrzeugkennzeichen und Telefonnummer für eine mögliche Anzeige.
Woran erkenne ich vorab, ob ein Anbieter vor Ort ist?
Prüfen Sie das Impressum auf eine vollständige Firmenadresse und fragen Sie am Telefon direkt, wer den Einsatz ausführt und von wo der Monteur anfährt. Ehrliche Betriebe beantworten das ohne Zögern, auch wenn sie mit Partnern zusammenarbeiten. Ausweichende Antworten sind ein Grund, lieber woanders anzurufen.